Archiv der Kategorie 'iSnob'

Internet-Knoten

es ist ja der wahnsinn, was heutzutage alles online möglich ist. oder auch nicht. pünktlich vor weihnachten, habe ich einen agenturgeschenkgutschein bekommen, wie immer, so aus berechneter nächstenliebe – ein paar hundert euro in produkten, als danke fürs heranscheffeln von dreistelligen umsätzen. das ist zwar eine mathematische bruchlandung, doch nur für mich persönlich, also nicht von großer, wenn überhaupt einer bedeutung. ohne mir großartig gedanken gemacht zu haben, bestellte ich also als erstes spontan einen schwarzen ipod nano, zum weiterverschenken inerhalb der eigenen vier wände. kurz habe ich zwar mit dem touch geliebäugelt, fand den dann aber doch zu teuer und zu sehr brillenputztuchbedürftig, doch darum geht es nicht.
die bestellung ging einfach von der hand – im warenkorb die gutscheinnummer eingegeben, dessen wert der bestellung abgezogen wurde, nach abzug der lieferkosten und der mehrwertsteuer blieb ein betrag über, der gleich automatisch meinem kundenkonto gutgeschrieben wurde. prima.
und dann passierte nichts, vier wochen lang. ich machte mir keinerlei gedanken, da ich sonst noch andere geschenke hatte und zudem den kopf mit anderen wichtigkeiten voll, um ehrlich zu sein, habe ich den ipod einfach vergessen, oder im hinterkopf abgespeichert: bestellung aufgegeben, irgendwann wird er schon kommen, was er auch tat, bloß per nachname…
es folgte ein unsinniger haufen nervtötender e-mails, zwischen shop, agentur, mir und sonstwem, aus denen es sich irgendwann herauskristallisiert hatte, daß der konzern zwar mit betonung sehr international ist, österreich allerdings doch zu weit von deutschland weg, als das gutscheine sich zwischen .de und .at problemlos vertragen könnten. nein, da zieht man ganz klare linien – ach österreich?! das geht natürlich nicht! – als wollte man insgeheim sagen - die ösis nur bargeld! - wobei der eigentlich größte witz an der sache ja eh dieser ist, daß das problem nicht einmal zwischen zwei online-shops bestand, sondern schlicht und einfach in der österreichischen lieferadresse. ich bilde mir ein, jegliche art von logistik muß selbst im krieg schon besser funktioniert haben…
nach einem langen hin und her, habe ich dann irgendwann aus mangel an angeborener geduld und in einem spontanen anfall von applefeindlichkeit und der idee einer revolution gegen das veripodisieren der gesellschaft geht scheissen! gesagt und einen neuen gutschein gefordert, für etwas anderes, und vor allem bei jemand anderen.
den neuen gutschein habe ich dann also heute bekommen, für hochwertige klamotten. gut, mit ein paar hundert euro, ist da nicht viel zu reissen, zwei teile für j., zwei für mich, doch einem geschenkten gaul und so. wenn da bloß nicht diese klenigkeit wäre, daß alles, aber auch wirklich alles, was ich in den vergangenen 1,5 stunden ausgesucht habe, ausverkauft wäre. ich versuche es jetzt nur noch einmal, und wenn dann wieder eine e-mail kommt, in der etwas von „schauen sie sich nochmal in unserem umfangreichen angebot um“ steht, dann werde ich gleich den gutschein zur spende umschreiben lassen. für gewaltopfer. so als anzahlung für eine wiedergutmachung…

Werarse

es ist nicht sehr lange her, auf den tag genau kann man es nicht festmachen, auch die uhrzeit ist nicht genau bezifferbar, doch es war morgens und im vergangenen frühsommer. ich fiel aus dem bett, stolperte die treppe herunter ins badezimmer, kratze mich dort, wo die sonne nicht scheint und beglotzte mein spiegelbild. auf den ersten blick war nichts zu erkennen, auch wenn ich schon lange keinen alkohol mehr trinke, sehe ich nach dem aufstehen doch sehr übernächtigt aus, wenn nicht gar verbraucht, doch das war es nicht, was mit mir nicht stimmte. es war etwas innerliches, nichts äußerlich betrachtbares – es war, als ob mich meine seele jucken würde. das ist zwar eine sehr wage beschreibung, doch sie kommt am nahesten an die empfundung heran, die mich wie elektrischer strom durchfuhr. es irritierte mich, doch ich konnte die art meiner empfindung nicht sofortig begreifen, wurde zudem durch das klingeln an der haustüre in meiner neuen selbstfindung unterbrochen. es war der briefträger, der auch gleich etwas in meine richtung redete, was ich aber nicht verstehen konnte, aufgrund eines ohrwurmes von denis leary welcher alles um mich herum übertönte. gleichzeitig überkam mich eine art menschenekel vermengt mit galaktischer ignoranz und so biß ich ihm spontan die nase ab. er starrte mich daraufhin einige sekundenbruchteile entsetzt an, um anschließend schreiend davon zu rennen. ich nahm die post an mich, wusch das blut ab, begab mich in mein arbeitszimmer und onanierte anschließend auf einen uhrenkatalog. den rest des tages verbrachte ich damit, menschen am telefon zu beschimpfen, lustige witze per e-mail zu versenden und passanten vom fenster aus mit zigarettenkippen zu bewerfen. ich traute mich zwar noch nicht ganz den gedanken zu ende zu bringen, doch mein innerstes wußte es bereits – es war neumond und ich bin zu einem arschloch mutiert!

es dauerte seine zeit, diverse prügeleien und denunzierungen, bis ich mich an mein neues ich gewöhnte, und heute läuft mein neues leben eigentlich ganz geregelt ab – ich beschimpfe und bespucke regelmäßig, pinkle im stehen und im großen radius, werte alles und jeden ab, erfreue mich einer zutiefst schlechten laune und lasse niemanden an der kassa durch. nur ganz selten, da überkommt mich dunkelgraue melancholie, dann wünsche ich mir bloß, daß endlich das große arschlochmutterschiff kommt und mich von hier wegholt. hier ist eh alles und jeder bloß ätzend…