es ist ein neues büro. die fensterflächen sind groß, es ist hell und gleichzeitig irgendwie kalt, obwohl das nicht automatisch heißen soll, es wirkte unsympathisch auf mich. meine schreibtischkombination bietet mehr platz, als ich mir vorstellen kann zu gebrauchen, obwohl es mir schon oft so ergangen ist, und ich es dann trotzdem schaffte alles so vollzustellen, daß ich trotz gefühlten 10 qm platz, keine ablagemöglichkeit fürs notizbuch mehr fand. nicht, daß ich schlampig und chaotisch wäre, nein, ich bin bloß sowas wie ein büroartikelsammler. vorausgesetzt diese sehen gut aus.
mein arbeitskollege und abteilungspartner wirkt auf den ersten blick bedrohlich. er ist sicher zwei meter groß und optisch geschätzt wohl ca. 40 kg schwerer als ich. da ich aber nicht vorhabe mit ihm einen fight club zu gründen, sollte das auch ziemlich egal sein. nicht egal ist allerdings, daß ich bloß 35% von dem verstehe, was er in seinem angeborenen wienerisch so vor sich hin redet. die eine mögliche lösung dieses dilemmas wäre ihm unter androhung von starken körperlichen schmerzen das hochdeutsch anzubieten, was ich allerdings lieber vermeiden möchte, angesichts seines bereits erwähnten körperbaus, zudem muß ich ganz ehrlich eingestehen, daß er äußerst sympathisch auf mich wirkt, trotz meiner ausgeprägten menschenfeindlichkeit im berufsalltag. die zweite möglichkeit wäre dann wohl, ihn und sein gerede gänzlich zu ignorieren, was allerdings auch eine zutiefst schlechte idee sein dürfte, bilden wir doch als abteilung die kommunikationszentrale. ich würde dann quasi zu sowas wie don quichotte und windmühle in einer person mutieren, und das klingt schon so bizarr, daß ich es lieber doch gar nicht erst ausprobieren möchte. bliebe also am ende noch die dritte möglichkeit, und zwar, daß ich schleunigst mein wienerisch auf vordermann bringe. auch wenn ich es nicht kommen sehe, je so piefchinesisch zu sprechen.
aber, wozu mache ich mir überhaupt gedanken? deshalb geht man doch nicht ins büro…

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