es ist nicht sehr lange her, auf den tag genau kann man es nicht festmachen, auch die uhrzeit ist nicht genau bezifferbar, doch es war morgens und im vergangenen frühsommer. ich fiel aus dem bett, stolperte die treppe herunter ins badezimmer, kratze mich dort, wo die sonne nicht scheint und beglotzte mein spiegelbild. auf den ersten blick war nichts zu erkennen, auch wenn ich schon lange keinen alkohol mehr trinke, sehe ich nach dem aufstehen doch sehr übernächtigt aus, wenn nicht gar verbraucht, doch das war es nicht, was mit mir nicht stimmte. es war etwas innerliches, nichts äußerlich betrachtbares – es war, als ob mich meine seele jucken würde. das ist zwar eine sehr wage beschreibung, doch sie kommt am nahesten an die empfundung heran, die mich wie elektrischer strom durchfuhr. es irritierte mich, doch ich konnte die art meiner empfindung nicht sofortig begreifen, wurde zudem durch das klingeln an der haustüre in meiner neuen selbstfindung unterbrochen. es war der briefträger, der auch gleich etwas in meine richtung redete, was ich aber nicht verstehen konnte, aufgrund eines ohrwurmes von denis leary welcher alles um mich herum übertönte. gleichzeitig überkam mich eine art menschenekel vermengt mit galaktischer ignoranz und so biß ich ihm spontan die nase ab. er starrte mich daraufhin einige sekundenbruchteile entsetzt an, um anschließend schreiend davon zu rennen. ich nahm die post an mich, wusch das blut ab, begab mich in mein arbeitszimmer und onanierte anschließend auf einen uhrenkatalog. den rest des tages verbrachte ich damit, menschen am telefon zu beschimpfen, lustige witze per e-mail zu versenden und passanten vom fenster aus mit zigarettenkippen zu bewerfen. ich traute mich zwar noch nicht ganz den gedanken zu ende zu bringen, doch mein innerstes wußte es bereits – es war neumond und ich bin zu einem arschloch mutiert!
es dauerte seine zeit, diverse prügeleien und denunzierungen, bis ich mich an mein neues ich gewöhnte, und heute läuft mein neues leben eigentlich ganz geregelt ab – ich beschimpfe und bespucke regelmäßig, pinkle im stehen und im großen radius, werte alles und jeden ab, erfreue mich einer zutiefst schlechten laune und lasse niemanden an der kassa durch. nur ganz selten, da überkommt mich dunkelgraue melancholie, dann wünsche ich mir bloß, daß endlich das große arschlochmutterschiff kommt und mich von hier wegholt. hier ist eh alles und jeder bloß ätzend…
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